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KEEP ON GENERATING

ÜBER CORNELIA SOLLFRANKS MULTIPLE AUTORENSCHAFTEN
Jacob Lillemose

[Leseprobe, S. 34]

KOPIEREN ODER NICHT KOPIEREN - DAS IST HIER NICHT DIE FRAGE

Ein anderer wichtiger Aspekt des net.art generators von Cornelia Sollfrank und ihres Rückgriffs auf das Warholsche Blumenmotiv liegt in der Infragestellung des Urheberrechts. Dieses Infragestellen wird nicht nur durch die generierten Bilder formuliert. In dem Ausstellungsprojekt This is not by me werden die Bilder durch drei Videos ergänzt, die die Problemstellung auf die Ebene eines philosophischen, juristischen und ästhetischen Diskurses erweitern. Der bewusst trockene Dokumentarstil der Videos - mit Sollfrank selbst, vier Anwälten und Andy Warhol in den Hauptrollen - steht im Kontrast zur überschäumenden visuellen Energie der Bilder. Und doch können die Videos nicht von den Bildern getrennt gesehen werden und vice versa. Sie bilden sozusagen den Paratext für das jeweils andere Medium. Die Videos betonen die Tatsache, dass die Bilder keine echten visuellen Entitäten in der Tradition der Moderne darstellen, an die Warhol, all seiner Ironie zum Trotz, noch immer glaubte. Auch die vom net.art generator generierten Bilder sind - wie alle Bilder - von kulturellen Codes durchzogen. Warhol war sich dieser »Kodierung« von Bildern bewusst und spielte damit. Sollfrank ist sich dessen ebenso bewusst; es ist der Grund, weshalb sie Warhol heranzieht. Dadurch verlagert sie den Fokus der Wahrnehmung vom Bereich des Visuellen auf den Bereich des Konzeptuellen. Der net.art generator zielt also darauf ab, nicht nur Bilder zu generieren, sondern auch einen Diskurs; einen Diskurs, der anders als bei Foucault nicht Macht ausübt, sondern im Namen künstlerischer Freiheit und Vorstellungskraft Macht in Frage stellt. Es ist insbesondere der Diskurs über Urheberrecht, Originalität und Autorschaft, in den Sollfrank mit ihrem Diskurs eingreift; genau den Diskurs also, der wesentlich war für den Modernismus und der sich in der Nachkriegszeit parallel zum Aufkommen einer neuen politischen und ökonomischen Kultur des Individualismus um die amerikanische Malerei und Bildhauerei entwickelte. Auf diese Version des Modernismus reagierte auch Warhol, mit der Bezugnahme auf andere Spielarten der Moderne, insbesondere der Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einschließlich Konstruktivismus, Dadaismus und Duchamp.
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