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IMMER WIEDER DAS GLEICHE MIT DER WIEDERHOLUNG?
Gespäch zwischen Cornelia Sollfrank und Silke Wenk nach der Eröffnung der Ausstellung
re.act.feminism. performancekunst der 1960er und 70er jahre heute,
Akademie der Künste Berlin, im Dezember 2008
[Leseprobe, S. 76]
C.S.: Damit haben wir jetzt einige Beispiele dafür
gefunden, wie Wiederholungen produktiv werden können. Ich möchte aber deine oben
geäußerte Beobachtung, dass Wiederholungen oft langweilig geraten, noch einmal aufgreifen.
Ich finde, Enttäuschung ist ein wichtiger Teil der Wiederholung.
Egal, was wir wiederholen - etwas, das wir faszinierend, wichtig, cool, radikal etc. finden, oder
etwas, das wir kritisieren wollen - das, was bei der Wiederholung entsteht, wird etwas anderes
sein. Gerade beim Sujet der feministischen Kunst besteht ja eine hohe Identifikation bei Vielen
- wie auch bei anderen radikalen äußerungen dieser Zeit. Die damaligen Rebellinnen sind
heute heroische Ikonen. Sie stehen für etwas, woran man Anteil haben möchte - vielleicht,
indem man es wiederholt. Und genau das klappt offenbar nicht. Es wird deutlich, dass das Wiederholte
Geschichte ist und genau deshalb nicht mehr dieselbe Wirkung haben kann. Das Publikum
wird auf sich selbst zurück verwiesen, auf seine Erwartungen. Vielleicht geht dabei sogar
die Identifikation verloren. Ist es nicht genau die Wiederholung, die uns von der Nostalgie und
der verklärenden Rückwärtsgewandtheit kuriert?
S.W.: Ich würde sagen: kurieren kann. Um nicht
in Resignation oder Passivität zu fallen, muss man die Herausforderung annehmen wollen,
umzudenken und die experimentelle Anordnung weiter zu entwickeln.
C.S.: Wiederholung und Enttäuschung sind ein
guter Anfang dafür. Du hast vorhin das Stichwort »weibliche Aggression« gebracht. Das ist das,
was die von mir ausgesuchten Arbeiten verbindet: Sie inszenieren weibliche Aggressivität. Und
eine weitere Arbeit, die ich noch geplant habe, ist eine Lesung des SCUM-Manifestos. Das ist mir
noch wichtig, denn seine Verfasserin, Valerie Solanas, hat 1968 mehrmals auf Andy Warhol geschossen
und ihn schwer verletzt. (Damit sollte dann auch geklärt sein, dass ich mich nicht seit
Jahren mit den Warhol-Flowers beschäftige, weil ich eine ödipale oder fetischisierende Beziehung
zu Warhol habe.) Der Text ist immer noch sehr aktuell, insbesondere der Teil, in dem sie über
den Kunstbetrieb schreibt. Als Ort für die Lesung des Manifesto kann ich mir nichts Geeigneteres
vorstellen als die Eröffnung einer Kunstmesse...
S.W.: Du möchtest also die Rolle der Missetäterin
der Avantgarde der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die nicht wenige Solanas verstehen,
auf- und durchspielen?
C.S.: Sicherlich sind die wiederholenden Aktionen
dazu geeignet, auch Aussagen über ihren Gegenstand zu produzieren. Genauso sicher ist
aber, dass sie nicht mehr das auslösen, was sie »zu ihrer Zeit« auslösten. Wenn es um weibliche
Aggressivität heute geht, müssen wir nach ganz anderen Bildern, Formen und Aktionen suchen. [...]
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