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BETRIFFT NICHT CORNELIA SOLLFRANK ALLEIN
DER DIALOG ALS BEDINGUNG ÄSTHETISCHER PRODUKTION
Rahel Puffert
[Leseprobe, S. 94]
Versucht man sich einen überblick über Cornelia Sollfranks »Gesamtwerk« zu verschaffen,
dann bieten sich verschiedene Arbeitsschwerpunkte an, welche wiederum die Zuordnung zu
einem Bündel an Diskursen aktueller Kunstproduktion erlauben. Diverse und sich wandelnde
künstlerische Strategien zu verwenden, Hybridität zu verkörpern, Vielfalt bei der Medienwahl
einzusetzen und verschiedenste Felder und Präsentationsformen zu kombinieren - all das hat
sich inzwischen als gangbare Möglichkeit durchgesetzt, um ein künstlerisches »Profil« zu erlangen
und ist Teil des Image-Programms, welches das Betriebssystem Kunst verwaltet und reproduziert.
Bei aller offensichtlichen Lust an den perfekten Oberflächen der Unternehmens- und
Publikationskultur - der bis heute gern gelieferte Eindruck vom glatten, gefügigen Profil geht
dennoch regelmäßig fehl, wagt man sich näher an Sollfranks Arbeitsweise heran.
»Programmierte Verführung« - so hat Ute Vorkoeper Sollfranks taktische Oberflächenarbeit
und Rollenspiele treffend charakterisiert1 und auf jene Risiken und Nebenwirkungen verwiesen,
die entstehen, wenn man es mit einer Künstlerin aufnimmt, deren Arbeit sich der letztgültigen
Fixierung konsequent und erfolgreich entzieht.
Das mag zum einen an Sollfranks vielschichtigem Spektrum an Arbeitsgebieten liegen, zum
anderen an den diversen Rollen, die sie dabei jeweils einnimmt. Beides erschwert es, sich ein
kohärentes Bild - eben ein Profil - der Künstlerin zu machen. Entscheidender noch scheint
mir der Effekt zu sein, dass auch alle anderen Komponenten, die zur Entstehung ihrer Arbeiten
beitragen (Material, NutzerInnen, Dienstleistungen, Rezeption, Verbreitung, Präsentation)
neuen oder erweiterten Funktionen zugeführt werden. Konzeptuellen Ansätzen folgend rückt
Sollfrank den jeweiligen Kontext, von dem sie ausgeht und in den sie hineinwirkt, in die Wahrnehmung.
Die Gewichtungen der verschiedenen Parts für das Gesamtgeschehen werden dabei
neu konfiguriert. Eigen- und Fremdanteile verlieren ihre Trennschärfe.
Anstatt die Konzentration auf Sollfranks Künstlerin-Identität oder ihr Selbstverständnis weiter
zu treiben, wie es das hastige Auf-der-Stelle-Treten der Betriebslogik vielleicht nahe legt und
ohnehin tut, möchte ich hier die für Sollfranks Arbeit wiederholt als »zentral« ausfindig gemachte
Infragestellung von traditionellen AutorIn-Funktionen und Rollenverteilungen zum
Ausgangspunkt nehmen. [...]
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